Hannovers Hexen

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Zu Halloween verkleiden sich jedes Jahr vor allem Kinder als Gespenster, Monster oder auch Hexen. Während wir diese heute als Phantasiegestalten betrachten, glaubten die Menschen in der Vergangenheit tatsächlich an die Existenz von Hexen.

Hintergrund

Betroffen waren vor allem Frauen, die am Rande der Gesellschaft standen, Außenseiterinnen, die einfach „anders“ waren. Vielleicht kannten sie sich besonders gut mit Kräutern aus, verhielten sich auffällig, vielleicht waren es aber auch nur Frauen, die sich bei ihren Nachbarn oder ihrem Bekanntenkreis unbeliebt gemacht hatten. So kam es zu Denunziationen, die vom Ende des Mittelalters an zunehmend zu Hexenprozessen führten. Ihren Höhepunkt erreichte die Hexenverfolgung in der Frühen Neuzeit. Der Einsatz brutaler Foltermethoden sollte wider besseres Wissen Geständnisse der Betroffenen hervorrufen, die als Voraussetzung für eine Todesverurteilung galten. Die wenigsten überstanden die Prozedur und gingen mit einem Freispruch aus den Prozessen heraus und so wurde ein Großteil der Angeklagten als Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

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Hexenverbrennung

Hexenverfolgung in Hannover

Hexenverfolgung fand auch in Hannover statt, wenngleich nur wenige Fälle ausführlich dokumentiert sind. Dennoch befinden sich im Stadtarchiv Hannover einige Akten zu Prozessen. So zum Beispiel zum Fall der Witwe Blome, die 1605 aufgrund „merkwürdiger Zwischenfälle“ von Zeugen der Zauberei beschuldigt worden war. Nach „peinlicher Befragung“, also der Folter, erfolgten ihr Geständnis und gleichzeitig die „Besagung“ weiterer Hexen. Darunter waren ihre Tochter, Catharina Blome sowie die „Stracksche“ und die „Fiercksche“. Sie sei mit diesen auf dem Blocksberg gewesen und sie seien dort auf einer „dreibeinigen Ziege geritten“, für die merkwürdigen Vorkommnisse sei sie ebenfalls verantwortlich gewesen, gab sie unter Folter zu. Gemeinsam mit ihrer Tochter wurde die Witwe Blome am 19. April des gleichen Jahres verbrannt.
Die besagten „Fiercksche“ und „Stracksche“ wurden in Folgeprozessen als Hexen angeklagt und nach mehrfacher Folter und daraus folgenden Geständnissen lebendig verbrannt.

Hannovers letzte Hexe

Am besten dokumentiert ist der Fall Alheit Snurs, die als letzte Hexe in Hannover verurteilt wurde. Snur stammte aus Godshorn im Amt Langenhagen. Sie hatte als Kinderfrau bei dem Arzt Dr. Joachim Läger in der Calenberger Neustadt gearbeitet und dort auch mit der Familie gelebt. Als bei ihm unerklärliche Krankheitssymptome auftraten, beschuldigte Läger seine Angestellte schließlich, ihm ein schwarzes Pulver mit dem Frühstück verabreicht zu haben, um ihn damit durch Zauberei zu vergiften. Die Anschuldigung führte zu einem Prozess, der Ende September 1647 begann und vom benachbarten Amt Langenhagen durchgeführt wurde. Snur unterzog sich nach eigenem Wunsch der Hexenprobe/ Wasserprobe, die ihre Unschuld beweisen sollte, für sie jedoch ungünstig verlief. Nach weiterer Folter gestand sie schließlich und wurde daraufhin als Hexe zum Tode verurteilt. Am 8. Januar 1648 wurde Alheit Snur auf der Hinrichtungsstätte des Amtes Langenhagen und Vahrenwald zunächst erwürgt und ihr toter Körper dann verbrannt.

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Hexenprobe

Der Prozess um Alheit Snur war der letzte Hexenprozess in Hannover und markierte somit das Ende eines dunklen Kapitels der Stadt und der Geschichte generell. Heute gehört die Hexenverfolgung zumindest in unserer Gesellschaft der Vergangenheit an und das Verkleiden als Hexe zu Halloween bringt nur noch Spaß und Freude mit sich.

Eure Alex

 

Quellen:
Kauertz, Claudia: „Der verhexte Arzt“. Dr. Joachim Läger und die letzte Hexenhinrichtung in Hannover (1648). in: Landeshauptstadt Hannover (Hg.): Hannoversche Geschichtsblätter, Bd.64, 2010.
Lehrmann, Joachim: Hexenverfolgung in Hannover-Calenberg. Vom Wahn bis zur Aufklärung, Lehrte/ Hannover 2005.
Prinz, Edelgard: Hexen und Hexenverfolgung in niedersächsischen Städten, dargestellt am Beispiel von Hannover und Hildesheim. Unveröffentlichte Magisterarbeit, Hannover 1986.

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